Versöhnung mit S

Januar 31, 2010

Der Morgen danach. K und ich hatten uns ausgesprochen und besiegelten unseren neu gewonnen Frieden mit einem Faulenzer-Sonntag. Viel Kuscheln, etwas Chatten und Reden standen auf dem Programm. Uns war noch etwas mulmig und ich versuchte mich gedanklich mit meinen Problemen mit S auseinander zu setzen. Ich formulierte meinen Unmut in einem Redeschwall, der auf K nieder prasselte, obwohl dieser eigentlich S gegolten hätte.

Ich fand es ungerecht, dass sie mir nicht so sehr vertraute wie ich ihr. Warum hatte sie solche Angst davor, dass ich mit D schlafen würde? Sie vertraute mir scheinbar nicht und nahm sich trotzdem heraus mit K zu schlafen und das eigentlich unbegründet. Sie mochten sich, waren aber nicht verliebt ineinander und meinten anfänglich noch, dass sie sich gar nicht so sehr sexuell zueinander hingezogen fühlten und trotzdem riskierten sie es mich zu verletzen. Ich fand, dass sie zu viel nahm und zu wenig gab. Wie sollte ich es ohne Probleme hin nehmen, dass sie miteinander schliefen, wenn sie mir nicht vertraute und mir nicht die Chance gab ihr zu vertrauen, weil sie scheinbar nicht mal Zeit dafür hatte unsere Freundschaft aufrecht zu erhalten? Andererseits meinte sie jedoch auch, dass sie nur öfter zu K fuhr, weil sie von dort aus auch zur Schule fahren konnte. Charlottenburg lag eben zu weit weg und bei ihrem zweiten Treffen war ich auch nicht wirklich ausgeschlossen. Ich hätte jederzeit dazu stoßen können. Außerdem konnten sie ja nicht wissen, dass mich das ganze so verletzen würde. Ich ahnte es ja selbst nicht. Ich war so sehr dabei die Vorstellung davon, dass sie ohne mich intim waren, vor ihnen und mir herunterzuspielen, dass ich selbst über die Intensität meiner Gefühle überrascht war.

Ich wollte mich mit ihr aussprechen. Abends entschloss ich mich also sie anzuschreiben. Ich wollte mich mit ihr treffen und reden. Sie meinte jedoch, dass sie diese Woche schon total aus geplant sei, was mich noch mehr verärgerte, meinen Versöhnungswillen jedoch nicht schmälerte. Ich wollte einfach, dass wir wieder Freundinnen waren, denn ich wusste, dass sich all meine Fragen beantworten ließen und all mein Ärger wohl unbegründet war.

Am gleichen Abend bekam ich eine sms von ihr. Sie hatte Streit mit ihrem polyamoren Freund D. Ich wusste nur ungenau, warum, aber das war egal. Gefühle sollte man immer ernst nehmen, sonst kann man sie auch nicht verarbeiten. Nachts um 2 fuhren wir los, um sie vom Alexanderplatz abzuholen. Bis dahin hatte sie sich alleine durchgeschlagen, weil sie es in der WG nicht mehr aushielt. Wir trafen uns vorm Kongressgebäude. Im Auto durchzuckte mich noch einmal kurz der Gedanke, dass es ungerecht sei, dass ich jetzt die volle Aufmerksamkeit bräuchte, dass ich Trost wollte und Zeit mit K, aber ihr Anblick ließ alle Zweifel dahin fliegen.

Sie stand nachts ganz allein im Schnee und wirkte so hoffnungslos verloren. Sie hatte keinen K. Sie musste sich einen D mit Vielen teilen und offenbar verstand er ihre impulsiven Gefühlsregungen nicht so gut wie wir.

Ich stieg aus und lief auf sie zu.

Wir umarmten uns und etwas löste sich in ihr. Sie fing an zu weinen. Ich war hin- und her gerissen zwischen dem Wunsch sie schnell ins Warme zu bringen und dem Bedürfnis sie ganz lange zu halten, damit all ihre Trauer aus ihr heraus laufen konnte. Ich brachte sie jedoch schnell ins Auto und setzte mich mit ihr auf die Rückbank. Plötzlich fühlte ich mich wieder leicht. Sie wollte mir nie weh tun und ich ihr auch nicht. Diese Last viel ab und ich begann zu scherzen. „Irgendwie unpassend“ dachte ich bei mir, aber sie lachte und es schien ihr gut zu tun. Bevor wir zu K hoch gingen kauften wir uns jeder ein Menü bei Burger King, wo ich zu meiner Erleichterung feststellte, dass es immer noch den vegetarischen Country-Burger gab. Im Zimmer von K genossen wir das ungesunde Nachtmahl und redeten. S erzählte uns, was vorgefallen war, dass sie sich total überfordert fühlte und kraftlos. Das dachte ich mir schon vorher. Sie war wie eine Hummel, die rastlos von Blume zu Blume fliegt, dabei immer mehr Energie verliert und am Ende nicht mehr weiß, wo sie nach getaner Arbeit eigentlich hin soll. Deshalb hatte ich mich auch vernachlässigt gefühlt und deshalb wollte sie am Samstag ihre Ruhe. Ruhe um ihre Gefühle zu ordnen und neue Kraft zu tanken, was durch das Auftauchen von D verhindert worden war. Wieder musste sie sich mit ihrer Eifersucht auseinandersetzen. Ich verstand. Die Auseinandersetzung mit sich Selbst ist die größte Herausforderung im Leben und es kostet viel Kraft. Manchmal muss man sich von sich selbst erholen und dafür Interaktionen vermeiden, die wieder neue Fragen aufwerfen. Wir redeten nicht viel. Sie war müde, wie wir auch. Ich war erschöpft von all den Turbolenzen in so kurzer Zeit.

Wir gingen gegen 4 Uhr zusammen schlafen, kuschelten uns aneinander und waren wieder zusammen. Es fühlte sich gut an, obwohl ich noch ein leicht flaues Gefühl im Magen hatte bei dem Gedanken daran, dass S und K wieder zusammen in einem Bett lagen. Am nächsten Morgen machten K und ich uns fertig und ließen S alleine im Bett zurück. Es war gut, dass sie jetzt ein wenig Ruhe hatte. Ehrlich gesagt brauchte ich sie jedoch genauso nötig. Alles war wieder okay, aber mein Akku war leer.

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Eine Antwort to “Versöhnung mit S”

  1. D und S sind übrigens noch zusammen. Sie haben sich ausgesprochen und konnten ihre Probleme klären.

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