Meine Sexualität

Februar 11, 2010

Ich mache mir ziemlich häufig Gedanken über meine Sexualität. Sie nimmt einen ziemlich großen Raum in meinem Leben ein, manchmal denke ich, einen zu großen.

Meine sexuellen Aktivitäten begannen recht früh, wenn auch erzwungen. Meine Mutter zog mich und meinen Bruder allein groß und hatte anfangs sogar noch Arbeit. So kam es, dass wir viel Zeit alleine verbrachten. Wir waren Schlüsselkinder und stromerten auf den Straßen von Marzahn herum. Eines Tages lernte mein Bruder einen älteren Mann kennen. Er freundete sich mit ihm an. Ich denke er war so um die 50 Jahre alt. Ich war 6 oder 7 Jahre alt. Wir gingen auf eine Einladung hin einmal zu ihm zum Café-Trinken. Wie meine Mutter uns das erlauben konnte, ist mir bis heute schleierhaft, aber ich denke, dass sie schon damals psychisch krank war. Während mein Bruder auf dem Teppich Fernsehen guckte, machte ich auf dem Sofa unterm Tisch das erste Mal in meinem Leben die Bekanntschaft mit einem ausgewachsenen Penis. Der Mann machte seinen Reißverschluss auf und hielt ihn in mein Gesichtsfeld. Als nächstes sollte ich ihn in den Mund nehmen und mir wurde das von den Männern so gemochte Blasen beigebracht. Ich verstand nicht,was ich tat und war das neue Werkzeug eines pädophilen alten Mannes. Ich ersetzte glaube ich seine Ex-Frau. Wir gingen oft zu ihm. Mein Bruder wurde vor dem Fernseher geparkt, während ich im Schlafzimmer ausgezogen und begrabscht wurde.

Es gefiel mir, wenn er mich anfasste und meine Muschi leckte, es gefiel mir weniger seinen dicken Penis in meinen Kindermund zu nehmen, während er meinen Kopf in den richtigen Rhythmus drückte oder ich es ihm mit der Hand machen sollte. Ein Mal versuchte er in meinen kleinen Mädchenkörper einzudringen, aber er wollte mir nicht weh tun und gab es nach ein zwei Versuchen auf. Ein anderes Mal ejakulierte er auf mich. Er wurde danach sehr nervös und zwang mich sofort unter die Dusche. Er schenkte mir Armbänder seiner Ex-Frau und meinem Bruder und mir Spiele. Gleichzeitig drohte er mir, mich umzubringen,wenn ich jemandem jemals von unseren Spielereien erzählen sollte. Er machte mir keine Angst. Allein die Scham über das Erlebte, nachdem ich überhaupt begriff, was ich da tat, brachte mich einige Jahre zum Schweigen. Selbst als meine Mutter mich zum Frauenarzt brachte, weil er mir meine erste Geschlechtskrankheit schenkte, schwieg ich aus Scham. Ich war schließlich freiwillig zu ihm gegangen und mir gefiel sogar teilweise, was er mit mir machte. Er hatte mich nie geschlagen. Heute habe ich tausend Mal härteren Sex. Ich dachte ich wäre selbst schuld. Ich fühlte mich schmutzig. Dank meiner Therapeutin erkannte ich später, dass ich mich oft in Situationen brachte, die das ganze Szenario wiederholten. Ich wollte vergewaltigt werden, weil ich dachte, ich hätte es nicht anders verdient.

Mit 6 oder 7 hatte ich meine ersten sexuellen Erfahrungen. Das prägt. Bis heute stelle ich mir beim Sex oder wenn ich es mir selbst mache einige Szenen dieser Erfahrungen vor. Es macht mich irgendwie an und selbst dafür schäme ich mich. Aber es ist Gott sei dank nicht das Einzige, was mich an macht. Gleichzeitig jedoch überkommt mich eine große Ohnmacht und Wut, wenn ich daran denke, dass ich mich so oft in eine Opferrolle dränge, in die ich nicht gehöre. Er hat mich einfach benutzt und ist ungestraft davon gekommen. Er hat mein ganzes Leben verändert und geprägt und das nicht gerade positiv.

Diese Erfahrungen kann leider keine Liebe der Welt tilgen und ich wünsche sie keinem anderen Menschen. Immer wenn ich daran denke, dass jede dritte Frau einmal sexuell belästigt wurde, wird mir ganz schlecht und ich frage mich, wann endlich jemand kommt und sich um die ohnmächtigen Opfer kümmert. Wer die Frauen oder auch Männer anspricht und ihnen Mut macht die Wahrheit zu sagen. Wer uns das Gefühl gibt, dass wir nicht schändlich und entweiht sind, weil irgendein Ekel Lust hatte uns zu benutzen. Wer hilft uns, den Mut zu finden gegen unsere Täter aus zusagen? Wie kann so eine Tat überhaupt verjähren und warum wird ein eventuell zerstörtes Leben weniger schlimm geahndet als ein angezündetes Polizei-Auto? Ich stehe wieder mitten im Leben, aber es gibt viele, die nicht aufgefangen werden. Sie alle fallen und niemand scheint sich darum zu kümmern.

Ich bin zwar auch noch das kleine ängstliche Mädchen, aber dieses Mädchen wird jetzt von einer halbwegs erwachsenen Frau gelenkt. Ich beschütze mich selbst und lasse nicht mehr zu, dass man mich ausnutzt. Meine Sexualität gehört mir und ich teile sie mit dem, den ich gewählt habe und in den Grenzen, die ich bestimme. Ich werde geliebt und das unabhängig davon, wie oft oder wie gut ich blasen kann und trotzdem werde ich in meiner Erinnerung immer ein Opfer sein und mich dafür schämen.

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5 Antworten to “Meine Sexualität”

  1. Ich möchte noch anmerken, dass ich es auch falsch finde Pädophile zu verteufeln. Es gibt bestimmt viele, die pädophil sind, aber versuchen damit umzugehen, um es zu vermeiden andere zu schädigen. Andererseits gibt es auch viele Männer, die sich einfach nur lieber an Mädchen vergreifen,weil diese sich weniger wehren als Frauen, obwohl sie nicht pädophil sind. Ich finde einfach, dass Mädchen, die belästigt oder vergewaltigt wurden mehr an die Öffentlichkeit gehen sollten,damit die Gesellschaft endlich erkennt, dass wir alle ein Problem haben,dass meistens tot geschwiegen wird. Es sollten sowohl Lösungen für die Mädchen oder auch Jungen gefunden werden als auch für die Männer oder Frauen die sich gezwungen fühlen zu missbrauchen. Ich bin kein Freund der Lösung “Schwanz ab” und lebenslanger Gefängnisverwahrung. Vielmehr sollte es therapeutische Hilfe geben, wobei diese auch kein Allheilmittel ist. Deswegen ist es nötig, dass wir alle endlich in einen Dialog treten und versuchen gemeinsam Lösungen für uns zu finden.

  2. kenny1987 said

    Ich würde mir unabhängig davon dass die Aufarbeitung von sowas sicherlich wichtig ist, an deiner Stelle darüber Gedanken machen ob die derart detaillierte und teilweise positive Beschreibung des ganzen vor der Öffentlichkeit insofern gut ist, als dass das ganze (ich hab von der ganzen Juristerei keine Ahnung) als Kinderpornographie durchgehen könnte und damit strafbar wäre.

    • also wenn du den artikel bis zum schluss gelesen hast, müsste dir eigentlich klar sein, dass das ganze ja im totalen nicht posititv konnotiert ist und außerdem ist es wichtig, dass gerrade die öffentlichkeit schnallt, was das mit einem macht. alle denken immer, dass man sich dann nur als opfer fühlt und vielleicht selbstmord gedanken bekommt oder ein gestörtes verhältnis zu sex allegmein hat, aber es verändert die sexualtität eben noch ganz anders.

  3. nixowitsch said

    Sätze wie „dieses Mädchen wird jetzt von einer halbwegs erwachsenen Frau gelenkt“ zeugen von einer schweren dissoziativen Störung. Mach Dich nicht so wichtig hier und beende Deine Therapie!

    • Ein gut ausgebildeter Therapeut oder Psychologe würde nie einen solchen unqualifizierten Kommentar unter einen Blogeintrag wie diesen schreiben. Ich habe meine Therapie bereits vor 5Jahren erfolgreich abgeschlossen und von einer dissoziativen Störung war nie die Rede. Ich vermute also,dass du dich mit diesem inhaltlosen Kommentar als schlechter Hobbypsychologe nur selbst wichtig machen willst. Anders kann ich mir diesen Kommentar nicht erklären.

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