Das besinnliche Fest

Dezember 10, 2010

Weihnachten steht vor der Tür. Dieser Satz weckt in den meisten meiner Artgenossen ein unangenehmes Flauegefühl in der Magengegend. Im Angesicht der bevorstehenden besinnlichen Tage verzweifeln die meisten an der unbefriedigenden Suche nach Geschenken in überfüllten Einkaufscentern, an Teigmassen, die zu Plätchen geformt werden wollen und dem Gedanken an das Zusammenkommen der verkorksten Familie, die man den Rest des Jahres so gekonnt umgehen konnte.

Im Gegensatz dazu bin ich ein Weihnachtsnarr, sozusagen der Fanclub der Pussycatdolls in einer von Metal geprägten Gesellschaft. Ich liebe Weihnachten. Ab einem bestimmten Tag im Dezember könnte ich endlos Weihnachtslieder trällern, Geschenke shoppen, wobei auch ich überfüllte Weihnachtscenter vermeide, weil mir dort der grummelige Menschenschlag das schöne Fest verderben könnte, könnte endlos Weihnachtskram basteln, Plätzchen futtern und mir Weihnachtsgeschichten anhören.

Ich könnte nie zu einer (oder zwei oder drei) Tasse Glühwein bei Kerzenschein, Weihnachtsmusik, Räuchermännchen, Holzschnittbögen, Schneeflöckchen und Dominosteinen oder Spekulatius nein sagen. Als wir noch bei meiner Mutter lebten war Weihnachten das Fest des Jahres und der traditionelle Plastikweihnachtsbaum unter dem unsere Wihnachtsteller standen, war für mich der schönste Baum der Welt. Ich erfreute mich an Adventskalendern, die meine Mutter selber bastelte und teilweise an Schnüren durch die ganze Wohnung zog und Spieleabenden im Kerzenschein. Auch die selbsgedichteten Werke meiner Mutter waren immer ein Highlight : „Lieber guter Weihnachtsmann, lass doch deine Hosen an und beschenk uns bitte nicht zu knapp…“ Heute versuche ich mir dieses Stück heile Welt an Weihnachten zurück zu holen. Es ist wie eine Droge, wie das Flashback in dem von Dan Simmons geschriebenen Werk „Die Hyperion Gesänge“. Es ist sozusagen ein Zwang der Besinung auf die gute alten Zeiten. So kann es vorkommen, dass ich mir an Weihnachten, wenn das Fest nicht so kreativ oder schön gestaltet ist wie das meine Mutter mit uns tat, ein paar Tränen verdrücken muss oder für einige Stunden klein und eingesunken auf einem Sessel sitze und mich frage, warum ich mir jedes Jahr wieder eine neue Familie borgen muss. Die letzten Jahre feierte ich jedes Weihnachten bei den Familien meiner Partner. Es war auf jeden Fall schöner als bei meinem Stiefvater, aber es wird auch nie wieder so schön sein, wie ich es in meinen Erinnerungen gespeichert habe.

Dieses Jahr werde ich deshalb am heiligen Abend mit meinem Bruder und meiner Kindergartenfreundin wie früher mit meiner Mum zum Krippenspiel in unserer alten Gemeinde gehen und danach noch einen kurzen Abstecher zu meinem Stiefvater machen. Erst am 25. fahre ich dann zu der Familie von K nach Rostock. Es ist auch unfair von „fremden“ Familien zu erwarten, dass sie die eigene Familie ersetzen und ich sollte meinen Bruder nicht jedes Jahr an Weihnachten alleine lassen nur weil ich mich nach einem Stück heile Welt sehne.

Weihnachten ist und bleibt eins meiner liebsten Feste und irgendwann werde ich meine Kinder mal zum Heulen bringen vor Lachen, weil ich mir seltsame Weihnachtsgedichte ausdenke oder sie sich den Kopf an den Schnüren vom Adventskalender stoßen, der durchs Wohnzimmer gespannt ist.

 

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