Alles ist dumpf. Ich bin umgeben von einem Wattebausch, der meine Tränen aufsaugt und die Stimme die von außerhalb kommt, dämpft. Ich spüre ab und an einen dumpfen Schmerz in meinem Herzen, aber alles ist weich, fast fließend. Nichts kommt an mich heran. Nur ein Bruchteil dessen, was er sagt erreicht mich in meinem Wattegrab. Selbst er ist in diesen Wattebausch integriert. Seine Arme, die mich umarmen und sein Oberkörper, der sich an meine Seite schmiegt, sind wie warme weiche Flocken. Es ist tröstlich, aber auch beängstigend. Immer wieder denke ich: „Ich will etwas spüren! Warum spüre ich nichts? Sie haben mich betrogen“. Doch dann ist da doch ein kleiner dumpfer Stich und die Tränen fließen weiter.

Gestern Nacht waren wir mit den anderen bei der Sneak. Danach war ich müde und fühlte mich seltsam. Ich grübelte. Was wollte ich eigentlich? Ja, es war schön die anderen zu küssen, aber brauchte ich das wirklich?. K war jedoch auch seltsam. Er wirkte irgendwie verzweifelt, so als ob er mir zeigen wollen würde, dass irgendwas nicht stimmt. Es war nur so eine Ahnung. Bei K angekommen war ich weiter in meine Gedanken verstrickt. Ich wusste nicht, was ich wollte. Polyphilie (oder Polyamorie), offene Beziehung oder Monogamie? Ich wirkte wohl leicht abwesend, was K verunsicherte. Wir redeten noch, aber ich war wirklich müde und schlief alle fünf Minuten während des Gesprächs ein. Ich wusste auch nicht, was ich sagen sollte, denn ich wusste nicht, was ich wollte…

Am nächsten Tag rief mich K an. Ich war gerade auf dem Weg nach Hause. Seine Stimme klang beängstigend bedrückt. Er wollte mich sprechen und gleich zu mir nach Hause kommen. Auf dem Weg zu mir machte ich mir unglaublich Sorgen. Ich malte mir aus, was wohl passiert sein könnte. So hatte ich ihn noch nie erlebt. Als er ankam, sah ich in sein durch Sorgen verdunkeltes Gesicht. Wir kuschelten uns in mein Bett, nachdem ich ihm einen Tee gemacht hatte. Dann brach es aus ihm heraus. Er hatte Angst. Er dachte ich würde mich von ihm distanzieren. Er wollte mich nicht teilen und fand, dass unsere Experimente in letzter Zeit wohl für ihn gescheitert waren. Für mich kam das alles sehr überraschend. Warum hatte er das so lang mit sich rum geschleppt? Warum empfand er alles so schlimm? Ja wir hatten uns verletzt, aber ich fand die Erfahrungen eigentlich eher bereichernd als zerstörend. Ihm ging es offensichtlich nicht so und irgendwie enttäuschte mich das. Nachdem ich versuchte ihn zu beruhigen, gestand er mir noch, dass er schon vorher mit S geschlafen hatte. Es war sogar vor unserem zweiten Dreier passiert. Ich war geschockt, aber merkte es kaum. Vorher hatte ich beide noch bei M verteidigt, die mich fragte, ob ich mir sicher sei, dass die beiden nicht schon vorher was gehabt hätten. Ich antwortete sehr bestimmt, dass ich mir sicher sei, dass sie mir davon erzählt hätten und dass das ja echt krass wäre. Jetzt ist es echt krass.

Ich kann nicht mehr denken. Ich weiß, dass ich ihnen verzeihen werde und das lähmte mich noch mehr. Ich ziehe mich weiter in die Wolke aus Watte zurück. Ich möchte hier bleiben. Irgendwann beruhigt sich K. Ich denke, dass ich auch wieder funktionieren kann. Als ich mich jedoch wieder an den PC zum Lernen setze, nachdem er gegangen ist, wird mir unglaublich schlecht. Ich denke darüber nach, ob ich mich zum Kotzen bringen sollte oder nicht. Später bekomme ich noch Besuch von meinem Bruder. Manchmal versuche ich zu lachen. Ich bin den ganzen Abend jedoch sehr still und rauche eine Zigarette nach der anderen, aber fühlen kann ich nichts. Mein Kopf ist unglaublich leer…

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Wiedersehen mit R, Teil 2

Februar 2, 2010

Ich fragte mich mehrfach, wie er mich wohl empfand. Warum wollte er mich wieder sehen? Was hatte ihn an mir fasziniert? Würde es wie auf der Party sein oder würden wir keinen Draht mehr zueinander finden? In der U-Bahn wurde ich immer nervöser. Ein Geiger stieg ein und spielte genau die Melodie, die ich brauchte. Er spielte mich. Ich suhlte mich in meiner stillen Aufregung und strahlte. Ich hatte kein schlechtes Gewissen es sollte einfach so sein. Ich hoffte nur, dass K es auch verstehen würde. Genau in diesem Moment rief K mich an. Jetzt bekam ich doch ein wenig Angst. Ich war ehrlich. Sagte, dass ich mich jetzt mit R Treffen werde. Er klang etwas besorgt, aber das musste er nicht sein. Es war nur eine Expedition, aber ich wusste, wo meine Heimat lag und würde sicher zurück kehren zu ihm, in seine geliebten Arme. Ich wusste, dass ich mit ihm mein Leben verbringen will und selbst die Faszination für R das nicht ändern konnte. Der Anruf festigte mich nach anfänglich mulmigem Gefühl. Es erinnerte mich daran, dass alles nur ein Abenteuer war. Es war keine Flucht nur ein Ausflug. Ich strahlte den auf mich wartenden R an und wir umarmten uns zur Begrüßung. Er wirkte unsicher, aber mir ging es ähnlich. Wir gingen in eine kleine gemütlich Bar in Neukölln. Er kaufte mir einen Rotwein und während er am Tresen bestellte, hatte ich Zeit um alles in mich aufzusaugen und mich zu orientieren. Ich beobachtete die Menschen um uns herum und dann ihn. Er stand mit leicht gekrümmten Rücken und vorgestrecktem Kopf am Tresen. Er wirkte wie ein Träumer. Es war so unperfekt, machte ihn aber noch sympathischer. Wir kamen schnell ins Gespräch. Es war wunderschön. Wir lachten und erzählten uns ernste Dinge. Wir sprangen auf die Welle auf, die wir vorher von Weitem gesehen hatten. Irgendwann war ich leicht betrunken. Die Couch wurde frei und wir kuschelten uns zögerlich aneinander. Ich weiß nicht mehr warum oder wann und wer anfing, aber wir küssten uns und konnten ab da an nicht mehr voneinander lassen. „Ich mag das Beißen beim Küssen“ war das einzige was noch an Worten gewechselt wurde. Wir vergaßen alles um uns und genossen uns einfach. Dann gingen wir zu ihm. Wir liebten uns zwei mal. Es war nicht perfekt, aber sehr schön. Danach jedoch waren wir wieder unsicher. Wir gingen schlafen. Ich war wortkarg geworden, kuschelte mich an ihn, lächelte ihn ein zwei Mal ermunternd an und dann schliefen wir. Am nächsten Morgen fuhren wir zusammen U-Bahn. Wir fühlten uns noch verbunden und er meinte, dass er mich gern wieder sehen würde. Ich entgegnete, dass ich es auch schön fände, aber erstmal Rücksicht auf K nehmen möchte. Wir küssten uns zum Abschied und dann stieg er aus. Der Bann war gebrochen. Ob wir uns wieder sehen ist ungewiss. Gleichzeitig wäre es wünschenswert und doch vollkommen unnötig.

Wiedersehen mit R, Teil 1

Februar 1, 2010

Eine DM von ihm. Es steht nur ein Satz darin, aber die alte Aufregung ist wieder da. Ich fühle mich wie ein Schulmädchen vor seinem ersten Date. Eigentlich hatte ich mit dem Thema R Schon abgeschlossen. Gerade hatte ich sogar mein Okcupid Profil gelöscht, weil ich mich ganz K verschreiben wollte und genau in diesem Moment der Zuversicht, in dem ich diese lange heraus gezögerte Entscheidung endlich getroffen hatte, zerstörte er alles mit einem kleinen Satz. Der Bann war wieder da.

Ich hatte ihn erst ein Mal getroffen, auf einer Party. Er erinnerte mich sofort schmerzlich und gleichzeitig verzückend an L . Sein schlanker drahtiger Körper und seine katzenhaften Augen, die durch den Turban, den er auf dem Maskenfest trug, betont wurden, brannten sich mir in mein Bewusstsein. Irgendwann war ich mit ihm allein. Wir standen im Flur. Ich hatte ein Glas Wein in der Hand und ein Bücherregal schmiegte sich schützend an unsere Rücken. Wir sprachen über Vieles. Ich wollte alles über ihn wissen, wollte herausfinden, was es war, das mich so an ihm faszinierte, obwohl ich ihn nicht kannte. Ich vergaß alles um uns herum und widmete mich ganz ihm, während sich mein Kopf schon leicht drehte. Er war hübsch und klug und empfindsam. Meine Faszination war verboten und daher umso größer. Irgendwann gab es einen Schnitt in unserem intimen Gespräch, aber ich suchte immer wieder seine Nähe, wenn gleich ich meinen Partner dabei niemals vergaß. K war Liebe und er Faszination. Einigen anderen weiblichen Partygästen ging es ähnlich. Wir schwärmten ein wenig über seine Erscheinung auf dem Balkon.

Und jetzt sollte es wirklich doch noch zu einem Treffen kommen. Ich war unsicher, aber mein Herz klopfte bejahend und übertönte damit das Gewissen. K hatte sein erstes Mal schließlich hinter sich gebracht und jetzt war ich an der Reihe. Die Geschichte hatte mit ihrer Ouvertüre auch den Klimax erreicht. Er war es, der mich dazu brachte K zu Fragen, wie er reagieren würde, wenn ich mit einem anderen Mann schlafen würde. Somit vertiefte R unsere Beziehung, aber setzte sie auch gleichzeitig aufs Spiel. Alles nur wegen dieses unscheinbaren Mannes. Es war übertrieben, aber es war so. Ich war nicht verliebt. Es war eine Schwärmerei, die entweder durch die Zeit entkräftet würde oder durch die Realität. Ich war jedoch sehr ungeduldig und außerdem immer froh über neue Erfahrungen.

Er holte mich vom U-Bahnhof Rathaus Neukölln ab. …(Fortsetzung folgt)

Versöhnung mit S

Januar 31, 2010

Der Morgen danach. K und ich hatten uns ausgesprochen und besiegelten unseren neu gewonnen Frieden mit einem Faulenzer-Sonntag. Viel Kuscheln, etwas Chatten und Reden standen auf dem Programm. Uns war noch etwas mulmig und ich versuchte mich gedanklich mit meinen Problemen mit S auseinander zu setzen. Ich formulierte meinen Unmut in einem Redeschwall, der auf K nieder prasselte, obwohl dieser eigentlich S gegolten hätte.

Ich fand es ungerecht, dass sie mir nicht so sehr vertraute wie ich ihr. Warum hatte sie solche Angst davor, dass ich mit D schlafen würde? Sie vertraute mir scheinbar nicht und nahm sich trotzdem heraus mit K zu schlafen und das eigentlich unbegründet. Sie mochten sich, waren aber nicht verliebt ineinander und meinten anfänglich noch, dass sie sich gar nicht so sehr sexuell zueinander hingezogen fühlten und trotzdem riskierten sie es mich zu verletzen. Ich fand, dass sie zu viel nahm und zu wenig gab. Wie sollte ich es ohne Probleme hin nehmen, dass sie miteinander schliefen, wenn sie mir nicht vertraute und mir nicht die Chance gab ihr zu vertrauen, weil sie scheinbar nicht mal Zeit dafür hatte unsere Freundschaft aufrecht zu erhalten? Andererseits meinte sie jedoch auch, dass sie nur öfter zu K fuhr, weil sie von dort aus auch zur Schule fahren konnte. Charlottenburg lag eben zu weit weg und bei ihrem zweiten Treffen war ich auch nicht wirklich ausgeschlossen. Ich hätte jederzeit dazu stoßen können. Außerdem konnten sie ja nicht wissen, dass mich das ganze so verletzen würde. Ich ahnte es ja selbst nicht. Ich war so sehr dabei die Vorstellung davon, dass sie ohne mich intim waren, vor ihnen und mir herunterzuspielen, dass ich selbst über die Intensität meiner Gefühle überrascht war.

Ich wollte mich mit ihr aussprechen. Abends entschloss ich mich also sie anzuschreiben. Ich wollte mich mit ihr treffen und reden. Sie meinte jedoch, dass sie diese Woche schon total aus geplant sei, was mich noch mehr verärgerte, meinen Versöhnungswillen jedoch nicht schmälerte. Ich wollte einfach, dass wir wieder Freundinnen waren, denn ich wusste, dass sich all meine Fragen beantworten ließen und all mein Ärger wohl unbegründet war.

Am gleichen Abend bekam ich eine sms von ihr. Sie hatte Streit mit ihrem polyamoren Freund D. Ich wusste nur ungenau, warum, aber das war egal. Gefühle sollte man immer ernst nehmen, sonst kann man sie auch nicht verarbeiten. Nachts um 2 fuhren wir los, um sie vom Alexanderplatz abzuholen. Bis dahin hatte sie sich alleine durchgeschlagen, weil sie es in der WG nicht mehr aushielt. Wir trafen uns vorm Kongressgebäude. Im Auto durchzuckte mich noch einmal kurz der Gedanke, dass es ungerecht sei, dass ich jetzt die volle Aufmerksamkeit bräuchte, dass ich Trost wollte und Zeit mit K, aber ihr Anblick ließ alle Zweifel dahin fliegen.

Sie stand nachts ganz allein im Schnee und wirkte so hoffnungslos verloren. Sie hatte keinen K. Sie musste sich einen D mit Vielen teilen und offenbar verstand er ihre impulsiven Gefühlsregungen nicht so gut wie wir.

Ich stieg aus und lief auf sie zu.

Wir umarmten uns und etwas löste sich in ihr. Sie fing an zu weinen. Ich war hin- und her gerissen zwischen dem Wunsch sie schnell ins Warme zu bringen und dem Bedürfnis sie ganz lange zu halten, damit all ihre Trauer aus ihr heraus laufen konnte. Ich brachte sie jedoch schnell ins Auto und setzte mich mit ihr auf die Rückbank. Plötzlich fühlte ich mich wieder leicht. Sie wollte mir nie weh tun und ich ihr auch nicht. Diese Last viel ab und ich begann zu scherzen. „Irgendwie unpassend“ dachte ich bei mir, aber sie lachte und es schien ihr gut zu tun. Bevor wir zu K hoch gingen kauften wir uns jeder ein Menü bei Burger King, wo ich zu meiner Erleichterung feststellte, dass es immer noch den vegetarischen Country-Burger gab. Im Zimmer von K genossen wir das ungesunde Nachtmahl und redeten. S erzählte uns, was vorgefallen war, dass sie sich total überfordert fühlte und kraftlos. Das dachte ich mir schon vorher. Sie war wie eine Hummel, die rastlos von Blume zu Blume fliegt, dabei immer mehr Energie verliert und am Ende nicht mehr weiß, wo sie nach getaner Arbeit eigentlich hin soll. Deshalb hatte ich mich auch vernachlässigt gefühlt und deshalb wollte sie am Samstag ihre Ruhe. Ruhe um ihre Gefühle zu ordnen und neue Kraft zu tanken, was durch das Auftauchen von D verhindert worden war. Wieder musste sie sich mit ihrer Eifersucht auseinandersetzen. Ich verstand. Die Auseinandersetzung mit sich Selbst ist die größte Herausforderung im Leben und es kostet viel Kraft. Manchmal muss man sich von sich selbst erholen und dafür Interaktionen vermeiden, die wieder neue Fragen aufwerfen. Wir redeten nicht viel. Sie war müde, wie wir auch. Ich war erschöpft von all den Turbolenzen in so kurzer Zeit.

Wir gingen gegen 4 Uhr zusammen schlafen, kuschelten uns aneinander und waren wieder zusammen. Es fühlte sich gut an, obwohl ich noch ein leicht flaues Gefühl im Magen hatte bei dem Gedanken daran, dass S und K wieder zusammen in einem Bett lagen. Am nächsten Morgen machten K und ich uns fertig und ließen S alleine im Bett zurück. Es war gut, dass sie jetzt ein wenig Ruhe hatte. Ehrlich gesagt brauchte ich sie jedoch genauso nötig. Alles war wieder okay, aber mein Akku war leer.

Der Überfall

Januar 30, 2010

Ich sitze in der U-Bahn. Plötzlich ist es still. Nicht wirklich still. Ich höre die Räder der U-Bahn auf den Schienen entlang reiben. Ich fange von ein paar jungen afrikanisch aussehenden Männern ab und an einige französischen Gesprächsfetzen auf, die ich nicht verstehe, aber sonst ist es still. Gerade hat mich der Vater von P (meines vorletzten Freundes) aus dem Auto am U-Bahnhof Wuhletal abgesetzt. Ich hatte ihn und seine Frau I, meine Wunschmutter, nach langer Zeit wieder ein mal besucht.

Der Tag lag überhaupt voller Erinnerungen und Melancholie. Ich hatte Heimweh, Heimweh nach Marzahn- Hellersdorf, obwohl niemand meiner engeren Freunde oder Verwandten hier verblieb. Bis auf meinen Ex-Freund. Vor etwa einem Jahr bin ich geflüchtet aus diesem Bezirk. Mehr ungewollt, aber eine Flucht war es trotzdem. Mein Freund H und ich lebten zusammen in einer kleinen Neubauwohnung am U-Bahnhof Kaulsdorf Nord. Ein halbes Jahr lang lebten wir dort sehr harmonisch in unserer kleinen Welt zwischen leckerem Italiener, Abitur, Pizza-Mann, Studium, Verein, Musik und World of Warcraft. Er liebte seine Gitarre und mich und das reichte mir. Irgendwann jedoch verschob sich die Realität und das Abitur war vorbei. H liebäugelte mehr mit seiner Unzufriedenheit und seiner Ziellosigkeit als mit mir und irgendwann verschwand ich einfach aus seiner Welt. Ich wollte gehen, damit er mich mit neuem Abstand entdecken konnte und zog in Uni-Nähe, nach Charlottenburg. Ich floh vor der Kälte und der Ignoranz, vor der Gleichgültigkeit, die er mir entgegen bracht. Damals brach eine Welt für mich zusammen. Nach zwei Jahren Beziehung regenerierte ich mich in meiner neuen WG nur langsam. Ich fing an zu rauchen, weil ich nicht wusste, was ich mit mir anfangen sollte, vögelte wild in der Gegend rum und ver- und entliebte mich so schnell wie meine Sex-Partner wechselten. Ich war rastlos, taumelte zwischen dem Glück meiner neu gewonnenen Freiheit und der Einsamkeit, in die mich H entließ. Irgendwann ebbte der Schmerz jedoch ab und ich fand wieder Kraft.

Wir rumpeln durch die Tunnel der Stadt. Im Auto sprachen wir noch über Dreiecksbeziehungen und der Vater von P meinte, dass diese nie gut gehen. Ich versuchte ihnen schon beim Essen zu versichern, dass ich alles im Griff hab, das alles okay ist und es mir gut geht. Im Auto jedoch fing ich an meinen Unmut über S Verhalten zu äußern. Dass ich mich vernachlässigt fühlte von ihr. Er verabschiedete mich sehr liebevoll und drückte mir einen Schmatz auf die Wange, wie ein richtiger Vater, den ich nie hatte. Aber er sah mich auch besorgt an, wie ein richtiger Vater und von da an tat es weh. Ich kämpfe mit den Tränen. Ich weiß nicht warum mich diese Traurigkeit plötzlich überfällt. Ich kämpfe weiter und hoffe, dass sie mich vor meiner Ankunft bei K verlässt. Als ich die U-Bahn verlasse, glaube ich alles im Griff zu haben…wie ich das schon seit dem Freitag Nachmittag glaube an dem ich die sms las. Aber je näher ich der Tür komme, desto mehr zieht sich mein Herz zusammen. Er öffnet die Tür. Auch er schaut besorgt, aber auch erfreut. Ich drücke ihn und will ihn nie wieder los lassen. Ihm geht es ähnlich. Dann gehen wir in die Küche. Plötzlich sehe ich es. Ein riesiger Aufschrei fährt durch meinen Körper. Immer wieder starre ich die kleine blau verfärbte Stelle auf seinem Hals an. „Sie hat ihn markiert“ ist alles was ich denken kann und ich flüchte mich erst ein Mal in Schweigen und eine blaue Dunstwolke. „Schnell den Schmerz mit Nikotin betäuben und mich ruhig stellen…das habe ich schon oft gemacht und bis jetzt hat es immer geholfen“. Lässig sitze ich auf meinem Stuhl, atme den beruhigenden Rauch des Todes ein, der mich irgendwie tröstet und versuche weiter die Fassung zu wahren. „Sie hat dir einen Knutschfleck gemacht“ entfährt es mir irgendwann und mein Herz wird noch enger geschnürt. Wir wechseln die Zimmer, nachdem er uns einen Milchshake gemacht hat. Ich rolle mich wie ein Schutz suchendes Kind auf dem Bett zusammen. Ich will, dass er mich drückt, dass er sagt, dass er nur mich liebt, dass das alles wirklich nichts bedeutet und ich einfach in seinem mir schon so bekannten Duft ertrinken kann. Eingekuschelt liegen wir auf dem Bett. In dieser Schutz bietenden Position kann ich es wagen ein paar Tränen zu vergießen. Ich will reden, weiß aber nicht über was. Wir wollten eine offene Beziehung, ja der Sex zu dritt war sehr schön und sie sollten ihn auch alleine genießen können. Ich verstand immer noch nicht ganz wo das Problem lag, aber das Problem ergoss sich schon längst in Sturzbächen über mein Gesicht. Ich begann zu reden und irgendwann gestand ich es mir ein. Ich war neidisch, auf beide. Auf ihn, weil sich S scheinbar lieber Zeit für ihn nahm als für mich und auf K, weil er es vor mir probiert hatte und ich einen zwar irgendwie heiteren, aber auch ernüchternden Abend gehabt hatte. Und deshalb fühlte ich mich irgendwie betrogen, ausgeschlossen. Immer wieder sah ich vor meinen Augen wie sie ihm diesen grässlichen Knutschfleck anheftete und mir wurde ganz übel. Irgendwann versiegten meine Tränen. Er tröstete mich, obwohl ich das Problem war. Ich schämte mich für meine egoistischen Gefühle. Ich wollte ihm nahe sein und alles vergessen. Und dann waren wir uns nahe. Es tat noch weh und die Entdeckung eines weiteren Flecks auf seiner Brust machte es nicht leichter, aber ich war mir sicher, dass es bald aufhört. Und es hörte auf.

Sein erstes Mal

Januar 29, 2010

Alles erscheint unwirklich. Ich lese die sms mehrmals und immer versetzt es mir einen dumpfen Schmerz in der Magengegend. Seine Worte scheinen leichtfüßig geradezu beiläufig. Er versucht ihnen die Schärfe zu nehmen, in dem er sie in eine harmlose liebe sms bettet. Er will mich nicht verletzen, aber vielleicht hat er auch gar nicht darüber nachgedacht. Aber er wusste, was ich wissen will und hat sich Zeit gelassen mit der Antwort auf meine Frage. Ob gewollt oder ungewollt. Er hat sich Zeit gelassen. Ich lese noch ein drittes Mal: …“haben etwas geschnackt und dann miteinander geschlafen, nachdem ich ein wenig mit Gürteln fesseln improvisiert habe“. Mich hat er noch nie mit Gürteln gefesselt, aber das ist nicht das erste was mir dabei in den Sinn kommt. Vielmehr überschlagen sich die Gedanken und Gefühle. Zuerst freue ich mich für beide, aber die Freude währt nur einen kurzen Moment und wird von einer Welle irrationaler Gefühle ertränkt.

Immer wieder versucht die Logik die Gefühle zu beruhigen, die aufgebracht im Kreis rennen, die Arme in die Luft werfen und schreien. „Sie wissen nicht,was sie tun. Verrückte Gefühle“ versucht mich die Logik zu beruhigen. Ich muss mich ordnen. Ich hole einige Male tief Luft und versuche die schreienden Verrückten beiseite zu schieben und mich auf was Wesentliche zu konzentrieren. Sie haben miteinander geschlafen. Was bedeutet das für mich? Eigentlich nichts.

Ich habe es ihnen erlaubt. Nicht etwa, weil ich ihn sonst verloren hätte oder total nachgiebig und rückratlos bin; ich wollte, dass er sich ausleben kann. Sein Leben genießen. Immerhin ist es nur Sex. Was bedeutet das schon?

Doch dann drängen sich wieder die stumpfen Schreie der Gefühle in mein Bewusstsein. Was ist nur los? Warum machen die solch ein großes Theater? Am Liebsten würde ich die Diagnose stellen und die Patienten entlassen, aber ich bin an sie gebunden. Sie werden nicht gehen. Sie sind ein Teil von mir, der nach Beachtung schreit. Doch die Logik versagt den Dienst und schüttelt nur ratlos mit dem Kopf. So als ob sie die Verantwortung abschütteln wollen würde. Ich bin alleine mit meinen Gefühlen und überfordert. Es ängstigt mich, mich ihnen zu nähern, mich mit ihnen zu beschäftigen. Sie scheinen unberechenbar und unlogisch.

Ich nähere mich ihnen langsam. Dann frage ich behutsam, was ihnen weh täte. Sie werden nicht stumm aber schauen mich mit geöffneten Mündern genauso ratlos an wie ich sie. Ich würde gerne weg laufen. Immer wieder wiederhole ich: Er hat mit ihr geschlafen und assoziiere die passenden Bilder. Ich will schauen,was passiert. Ich bin nicht wütend, nicht traurig, nicht enttäuscht…oder doch? Eine Stimme im Raum fragt mich plötzlich, ob ich es S denn nicht gönne. Schließlich hege ich ihr gegenüber einen gewissen Unmut. Ich spüre wie ich mich meinen Gefühlen annähere, aber immer noch gestehe ich mir gewisse Gefühle einfach nicht zu. Aber jetzt weiß ich: Sie sind da. Ja es ist irgendwie ein Problem. Ich gönne ihnen die intime Zweisamkeit nicht hundert prozentig. Vor Allem habe ich Angst und fühle mich benachteiligt. Jetzt meldet sich ein Patient zu Wort. Er schaut mich mit leeren traurigen Augen an und fragt: Und was ist mit mir? Bin ich nicht gut genug? Ist sie besser als ich? Ein anderer versucht ihn zu beruhigen. Er scheint zornig, aber bestimmt: Ach was er kann, kannst du schon lange. Du bist nicht schlechter und du kannst es ihm beweisen. Sie wollen dich alle vögeln und du solltest das Spiel mitspielen und dich nicht länger zieren. Plötzlich betritt die Vernunft erneut den Raum: Ihr seht doch alle die Wirklichkeit nicht. Er liebt euch, euch alle und das ist kein Spiel. Ihr solltet keine Ängste oder Rachegelüste haben. Das hat er nicht verdient. Der Zorn meldet sich wieder: Und ob er es verdient hat. Er hat es doch herausgefordert. Doch die Vernunft schafft es ihn zu besänftigen. Sie wird ihn aber nicht auflösen können. Ich sehe außerdem einen knickrigen Patienten mit blitzenden Augen. Er nennt sich Neid. Der Herr hat sich also auch hier eingenistet. Der Patient, der sich zuerst äußerte, ist auch der Größte von allen. Er steht sicher auf seinen riesigen Füßen, wie ein unverrückbarer Baum. Er ist Dauerpatient. Ich kenne ihn gut und denke, dass er diesen Raum wohl nie verlassen wird. Aber phasenweise geht es ihm gut, dann gluckst er glücklich vor sich hin die Knie an den Bauch gezogen und sich wiegend, wie ein riesiges Baby und das macht mich gelassen. Die meiste Zeit jedoch ist er sehr unsicher. Er fragt viel. Dieses Mal frage ich viel. Wovor hast du Angst? Vielleicht verliert unsere Beziehung an Intensität. Vielleicht mag er sie irgendwann mehr als mich. Vielleicht macht sie ihn mehr an…immerhin ist sie feuchter. Vielleicht verliebt sich irgendwann eine Frau unglücklich in ihn oder sogar glücklich. Was mache ich dann? Ich würde den großen klobigen Kerl gerne drücken und sagen, dass alles gut wird, aber die Gewissheit hat man nie. Im Laufe der Sitzung beruhigt die Vernunft alle zusehends. Ich fühle mich ein wenig erleichtert, aber immer noch mulmig. Mit all diesen Gefühlen muss ich leben, aber ich vertraue der Vernunft. Sie verbindet sie alle und hat meist den besseren Überblick. Sie sagt mir, dass alles gut wird und dass ich meine Gefühle nicht übergehen darf. Sie kann die Diagnose stellen. Sie ist kompetent und hilft. Und sie gibt mir das Gefühl, dass eigentlich alles gut ist. Ich möchte ihm die Freiheit nicht nehmen. Ich liebe ihn und er liebt mich. Eigentlich ist alles gut…

Florida und M

Januar 29, 2010

Ich liege mit Kopfschmerzen, vaginal blutend und mit Würmern, die meinen Anus peinigen halbnackt im Bett. Ein leichter Selbstekel meldet sich heute mehrmals in meinem Bewusstsein. Doch ich schiebe ihn immer wieder gekonnt bei Seite. Neben mir liegt meine Komplizin M . Außer dem Selbstekel ist eine andere unbewusste Kraft heute stärker als mein mich im Stich lassender Körper: die Vergnügungssucht. Es traf sich, dass mich ein Exhibitionist aus Florida auf Okcupid ansprach. Bis zu diesem Zeitpunkt des Abends hatte ich bis auf ein paar Gläser Rotwein und das Unterschichtenfernsehen wenig für meine Unterhaltung getan. Oft schweiften meine Gedanken auch zu meinem Freund ab, der sich gerade mit einer gemeinsamen Freundin traf. Ich fragte mich, ob sie wohl miteinander schlafen würden, da wir uns erst vor kurzer Zeit die Freiheiten einer offenen Beziehung gestatteten . Ich weiß nicht warum, aber diese Frage drängte sich mir immer auf, wenn ich feststellte, dass der Spaßfaktor des Abends noch nicht das von mir gewünschte Niveau erreicht hatte. Der Floridarianer war zumindest die Rettung des Abends. Er fragte mich sehr höflich, ob ich denn Lust hätte ihn beim Masturbieren zu beobachten. Ich sagte ohne groß nachzudenken „ja“ im gleichen Atemzug fragte ich mich wie viele Frauen so selbstverständlich mit „ja“ geantwortet hätten. Ich fragte mich das nicht,um ein möglicherweise vorhandenes schlechtes moralisches Gewissen zu beruhigen oder weil ich unsicher gewesen wäre sondern einfach,weil mich ein Ist-Zustand wirklich interessiert hätte.

Im nächsten Augenblick wurde ich durch das Bild eines nackten Männerunterleibes überrascht an den sich ein sehr langer gebeugter Penis anschloss. Ich assoziierte sofort eine Banane, aber eine ziemlich lange Banane, keine Bio-Banane also. Der Floriadarianer umfasste seine Peniskuppe mit einer Hand und fing an diese hektisch auf und ab zu bewegen. Er hatte nun auch die Aufmerksamkeit meiner Komplizin. Gebannt starrten wir auf das kleine Fenster im Skype-Feld. Mein Kopf wurde leer und ich starrte mit leicht geöffnetem Mund auf seinen wohl geformten Penis und die rhythmischen Handbewegungen. Es erregte mich wie er sich uns darbot. Ich wollte ihm etwas zurück geben. Ich machte die Kamera an und zog mich aus. Er konnte nun meine wohl geformten hellen Brüste sehen. Aber das reichte mir nicht. Ich forderte M auf, mich zu küssen. Unsere Zungen umspielten sich während ihre Hände immer wieder leicht meine Brüste streiften. Wie sehr ich mir wünscht, dass sie in meine Brustwarzen kniff oder sie zwischen ihren Fingern dreht, aber ich blieb stumm und küsste sie weiter. Wir hörten immer wieder auf, um uns sein Schauspiel anzusehen. Manchmal kicherten wir. Meist aus Verlegenheit und manchmal aus Vergnügen und heiterer Gelassenheit. Ich bewunderte diesen Perversen insgeheim. Er konnte sich in seiner Fantasie mühelos ergehen. Ich entdeckte gleichzeitig wieder die kleine Exhibitionistin in mir. Ich ergab mich dem Schauspiel und schaute lang mit leerem schweren Kopf und glasigen Augen auf sein steifes Glied. Ich wollte, dass er auf meine Brüste kommt und schob sie zusammen, sodass sie wie zwei Orangen auf meinem Oberkörper einen einladenden Obstkorb formten. Wenig später spritzte er auf seinem Bauch ab. Ich war wenig befriedigt. Im Gegenteil. Meine Genusssucht wurde gerade erst geweckt. Wie im Affekt schrieb ich meinen Bekannten N über Skype an. Er lag schon im Bett nur mit einem Hemd bekleidet. Wir kichernden Hühner forderten ihn auf sich auszuziehen und sich eins von seinen Spielzeugen in den Arsch zu schieben. Er zögerte immer kurz, befolgte dann jedoch jede unserer Anweisungen. Ich wäre gerne kühler und ernster gewesen, aber fühlte mich durch meine Komplizin M gehemmt. Auch er machte es sich mit der Hand. Gleichzeitig jedoch sahen wir, wie er sich seinen But Plug aus schönem kalten Edelstahl immer wieder in den Arsch schob. Wenig später wurde es ein Vibrator. Ich leckte für ihn an meinen Brüsten und spielte mit meinen Fingern an meinen harten Nippeln. Auch er spritze auf seinem Bauch ab. Vorher jedoch trafen sich unsere ins Weite streifenden angespannt fiebernden Blicke. Ich genoss es, dass er genoss. Er ging zu Bett und ich blieb mit meinem neu entdecktem Kick allein zurück. M Vergnügte sich derweil via Webcam mit einem Bekannten. Da entdeckte ich einen Kanadier wieder, den ich unglaublich gerne nackt und präsent gesehen hätte. Meine Kopfschmerzen meldeten sich jedoch wieder. Diesmal stechender als ich es ertragen konnte. Mein Kopf wurde noch schwerer. Mein Unterleib krampfte und mir wurde schlecht. Ich wollte den Kanadier jedoch unbedingt so sehen wie ich den Mann aus Florida und N gesehen hatte. Ich wollte, dass er sich mir darbot ,aber mein Körper machte schlaff. Ich war einfach nicht mehr in der Lage irgendetwas oder irgendwem Aufmerksamkeit zu schenken. Wieder ein Mal war der Körper schwächer als die Lust. Ich guckte noch ein wenig zum Laptop von M herüber, was mir aber nicht so viel Vergnügen bereitete. Die Darbietung meines Bekannten galt ihr und konnte mir daher auch keine Befriedigung verschaffen. Ich bewunderte jedoch wie sie ihn demütigte und zwang sein eigenes Sperma für sie zu verzehren. Doch meine Augen verschlossen sich immer mehr dem Schauspiel und geleiteten mich durch Dunkelheit in den erholsamen Schlaf.